Artquilt - Quilts, Quiltkunst und Textilkunst von Friederike Hoerst-Röhl

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Definition zum Begriff "Quilt"

 

Was ist ein Quilt?

Im Gegensatz zum Kilt (ein rot karierter Rock aus Wollstoff, unter dem die männlichen Schotten angeblich nur bloße Haut tragen) ist ein Quilt kein Kleidungsstück. Als Quilt werden traditionell die warmen Wolldecken religiöser Gruppierungen in Pennsylvania oder Kanada, die ab 1720 aus dem deutschsprachigen Raum in die neue Welt ausgewandert sind. Sie leben dort in lockeren Dorfverbänden nach strenggläubigen Richtlinien und lehnen jeglichen technischen Fortschritt aus Überzeugung ab (Amish). Die streng vorgegebenen Muster und Farben tragen alle Namen wie z.B. Log Cabin (Blockhaus), Jacob's Ladder (Jakobsleiter), Dresden Plate (Dresdner Teller), Morning Star (Morgenstern) oder Monkey Wrench (Schraubzwinge)

Techniken des Quiltens

Unabhängig voneinander haben sich auf dem ganzen Globus verschiedene Techniken entwickelt Quilts herzustellen. Sie bestehen jedoch (fast) alle aus zwei bis drei Lagen (Top, Batting, Backing), von denen die oberste Lage, das Top, meistens aus Patchwork besteht, also aus kleinen Teilen zusammengesetzt ist. Die mittlere Lage, das Batting, erzeugt Volumen und eine gewisse Dreidimensionalität. Das Backing, wie der Name sagt, die Rückseite, deckt die mittlere Lage ab und bringt zusätzliche Stabilität. Die verschiedenen Lagen werden dann durch Garnstiche (Zierstiche) miteinander verbunden (das Quilting).

Das Quilten kommt zurück

Zu allen Zeiten war dies oft die einzige Möglichkeit für Frauen sich künstlerisch auszudrücken. In den 20er und 30er Jahren des 20ten Jahrhunderts war das Quilten und Patchen in Amerika sehr weit verbreitet, dann aber aus modischen Gründen ziemlich vergessen und vor ca. 30-20 Jahren langsam wiederbelebt und von dort aus nach Europa und allmählich in die ganze Welt exportiert.

Der Kunstquilt oder Artquilt entsteht

Aus dieser Wiederbelebung des Quiltens hat sich im Laufe der Zeit der Kunstquilt auf allen Erdteilen entwickelt. Verschiedene gestalterische Richtungen bestehen neben dem traditionellen Quilting. Die Technik und die Stilrichtungen sind so verschieden wie die Künstler selbst, wobei sich die herkömmlichen Gebrauchsquilts natürlich immer noch darunter befinden.

Die Stilrichtungen der Quilts

Das traditionelle Patchwork setzt sich in der Regel aus quadratischen Blöcken zusammen, die durch geschickte Anordnung verschiedene Muster ergeben können. In England entstand das sog. Crazy-Patchwork, das kein spezielles grafisches Muster bildet sondern wild zusammengesetzt wird, um die ursprünglich wertvollen Reste der teuren Brokatstoffe zu verwenden.
In Japan dagegen geht man ganz anders vor. Es werden nicht drei fertige einzelne Lagen zusammen gequiltet, sondern einzelne 3-lagige Blöcke werden aus rundem Unterteil, gefüllt, mit eckigem Teil belegt, zusammengeklappt, vernäht und anschließend erst zu einem Gesamtquilt ( Atarashii) zusammengesetzt.

Molakana  Mola

Eine Sonderform bilden die Molakana (sing. Mola) der Kuna-Indianerinnen aus Panama. Diese sind (wie die Kilts der Schotten) auch Kleidungsstücke, bestehen aber wie Quilts aus verschiedenen Lagen, die durch eine spezielle Technik der Reverse-Applikation miteinander vernäht und als Bluse getragen werden. Dargestellt werden Formen der natürlichen Umgebung und der mystischen Vorstellung. Es wird gesagt, dass diese die traditionelle Körperbemalung ersetzen. Beispiele finden Sie hier >>Mola

Quilt-Trends in Frankreich

Am weitesten fortentwickelt vom Gebrauchsgegenstand zur reinen Kunst hat sich der Quilt meiner Meinung nach in Frankreich, wo ich die hervorragendsten Artquilts gesehen habe, die mit den traditionellen Quilts so gut wie nichts mehr gemeinsam zu haben scheinen.

Material der Quilts

Es werden außer Textilien alle möglichen Materialien mit- oder hauptsächlich verwendet. So werden Kunststofffolien, Hartplastikteile, Papier, Metall, Holz, Leder, Stein, Federn, Knochen oder Verpackungsmüll 2-dimensional traditionell verarbeitet oder ganz frei 3-dimensional als Skulptur. Der Fantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Quilts: Kunst oder Handarbeit?

Alles dies ist (zum Leidwesen mancher traditioneller Quilterinnen) unter dem Begriff „zeitgenössischer Art-Quilt“ zu finden. Man könnte sogar behaupten, dass der Art-Quilt grenzenlos in die allgemeine moderne Kunst übergegangen ist. Dennoch existieren alle Formen des Quilts harmonisch nebeneinander.
Vermutlich deshalb und auch weil die zeitgenössische Quiltszene hauptsächlich von Frauen frequentiert wird, führt diese Kunstrichtung immer noch ein Schattendasein am Rande des allgemeinen Kunstbetriebes und hat bis jetzt noch keinen Zugang zu den großen Kunstmuseen gefunden. Ich hoffe, dass sich dies bald ändert.

 

 

 

 

 

       

         

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