Sehen Sie bitte auch hier nach: Was ist ein Quilt, Definition und Erklärungen zur Historie
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Definition
zum Begriff "Quilt" |
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Was ist ein Quilt?
Im Gegensatz zum Kilt (ein rot karierter Rock aus Wollstoff,
unter dem die männlichen Schotten angeblich nur bloße Haut
tragen) ist ein Quilt kein Kleidungsstück. Als Quilt werden traditionell
die warmen Wolldecken religiöser Gruppierungen in Pennsylvania oder
Kanada, die ab 1720 aus dem deutschsprachigen Raum in die neue Welt ausgewandert
sind. Sie leben dort in lockeren Dorfverbänden nach strenggläubigen
Richtlinien und lehnen jeglichen technischen Fortschritt aus Überzeugung
ab (Amish). Die streng vorgegebenen Muster und Farben tragen alle Namen
wie z.B. Log Cabin (Blockhaus), Jacob's Ladder (Jakobsleiter), Dresden
Plate (Dresdner Teller), Morning Star (Morgenstern) oder Monkey Wrench
(Schraubzwinge)
Techniken des Quiltens
Unabhängig voneinander haben sich auf dem ganzen
Globus verschiedene Techniken entwickelt Quilts herzustellen. Sie bestehen
jedoch (fast) alle aus zwei bis drei Lagen (Top, Batting, Backing), von
denen die oberste Lage, das Top, meistens aus Patchwork besteht, also
aus kleinen Teilen zusammengesetzt ist. Die mittlere Lage, das Batting,
erzeugt Volumen und eine gewisse Dreidimensionalität. Das Backing,
wie der Name sagt, die Rückseite, deckt die mittlere Lage ab und
bringt zusätzliche Stabilität. Die verschiedenen Lagen werden
dann durch Garnstiche (Zierstiche) miteinander verbunden (das Quilting).
Das Quilten kommt zurück
Zu allen Zeiten war dies oft die einzige Möglichkeit
für Frauen sich künstlerisch auszudrücken. In den 20er
und 30er Jahren des 20ten Jahrhunderts war das Quilten und Patchen in
Amerika sehr weit verbreitet, dann aber aus modischen Gründen ziemlich
vergessen und vor ca. 30-20 Jahren langsam wiederbelebt und von dort
aus nach Europa und allmählich in die ganze Welt exportiert.
Der Kunstquilt oder Artquilt entsteht
Aus dieser Wiederbelebung des Quiltens hat sich im
Laufe der Zeit der Kunstquilt auf allen Erdteilen entwickelt. Verschiedene
gestalterische Richtungen bestehen neben dem traditionellen Quilting.
Die Technik und die Stilrichtungen sind so verschieden wie die Künstler
selbst, wobei sich die herkömmlichen Gebrauchsquilts natürlich
immer noch darunter befinden.
Die Stilrichtungen der Quilts
Das traditionelle Patchwork setzt
sich in der Regel aus quadratischen Blöcken zusammen, die durch
geschickte Anordnung verschiedene Muster ergeben können. In England
entstand das sog. Crazy-Patchwork, das kein spezielles grafisches Muster
bildet sondern wild zusammengesetzt wird, um die ursprünglich wertvollen
Reste der teuren Brokatstoffe zu verwenden.
In Japan dagegen geht man ganz anders vor. Es werden
nicht drei fertige einzelne Lagen zusammen gequiltet, sondern einzelne
3-lagige Blöcke werden aus rundem Unterteil, gefüllt, mit eckigem
Teil belegt, zusammengeklappt, vernäht und anschließend erst
zu einem Gesamtquilt ( Atarashii) zusammengesetzt.
Molakana Mola
Eine Sonderform bilden die Molakana (sing. Mola) der
Kuna-Indianerinnen aus Panama. Diese sind (wie die Kilts der Schotten)
auch Kleidungsstücke, bestehen aber wie Quilts aus verschiedenen
Lagen, die durch eine spezielle Technik der Reverse-Applikation miteinander
vernäht und als Bluse getragen werden. Dargestellt werden Formen
der natürlichen Umgebung und der mystischen Vorstellung. Es wird
gesagt, dass diese die traditionelle Körperbemalung ersetzen. Beispiele
finden Sie hier >>Mola
Quilt-Trends in Frankreich
Am weitesten fortentwickelt vom Gebrauchsgegenstand
zur reinen Kunst hat sich der Quilt meiner Meinung nach in Frankreich,
wo ich die hervorragendsten Artquilts gesehen habe, die mit den traditionellen
Quilts so gut wie nichts mehr gemeinsam zu haben scheinen.
Material der Quilts
Es werden außer Textilien alle möglichen
Materialien mit- oder hauptsächlich verwendet. So werden Kunststofffolien,
Hartplastikteile, Papier, Metall, Holz, Leder, Stein, Federn, Knochen
oder Verpackungsmüll 2-dimensional traditionell verarbeitet oder
ganz frei 3-dimensional als Skulptur. Der Fantasie und Kreativität
sind keine Grenzen gesetzt.
Quilts: Kunst oder Handarbeit?
Alles dies ist (zum Leidwesen mancher traditioneller
Quilterinnen) unter dem Begriff „zeitgenössischer Art-Quilt“ zu
finden. Man könnte sogar behaupten, dass der Art-Quilt grenzenlos
in die allgemeine moderne Kunst übergegangen ist. Dennoch existieren
alle Formen des Quilts harmonisch nebeneinander.
Vermutlich deshalb und auch weil die zeitgenössische Quiltszene
hauptsächlich von Frauen frequentiert wird, führt diese Kunstrichtung
immer noch ein Schattendasein am Rande des allgemeinen Kunstbetriebes
und hat bis jetzt noch keinen Zugang zu den großen Kunstmuseen
gefunden. Ich hoffe, dass sich dies bald ändert.
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